Nahrungsmittelindustrie: Warum Magnete messen ?

Wir haben eine Anfrage von einem französischen Nougathersteller, der das leckere Montélimar herstellt, erhalten. Sie wollten die in den Prozess integrierten Magnete messen lassen, um - so haben sie es in groben Zügen umrissen - Qualitätsstandards zu erfüllen und um sicherzugehen, dass die Magnete noch optimal funktionieren. Das ist ebenfalls erforderlich, um auch weiterhin die HACCP (Hygienic Critical Control Points, ein Qualitätssiegel) zu erfüllen.
Dieses Siegel gilt für alle Hersteller von Nahrungsmitteln, unabhängig davon ob sie Schokolade, Zucker, Milchpulver, Mehl oder Suppe herstellen.

 

Magnete messen: wie funktioniert das und welche Kriterien gelten dafür?

Guy Mutsaerts ist seit 1992 Experte für Magnete in der Nahrungsmittelindustrie. Er misst selbst regelmäßig Magnete und erklärt ganz genau, wie das funktioniert: „Ein Permanentmagnet behält seinen Magnetwert im Prinzip lebenslang. Das Risiko, dass der Magnetwert abnimmt, ist nicht besonders groß. Die einzigen Gründe für einen Verlust der Magnetkraft sind: Bruch, Korrosion oder Erwärmung (Temp. >80 °C). In der Nahrungsmittelindustrie kann eine Erwärmung natürlich schon einmal auftreten. Zum Beispiel bei der Reinigung mit heißem Wasser oder bei der Arbeit in einem Pasteur.

 

 

Gaussmeter

Der Magnetwert wird mit Hilfe eines Gaussmeters gemessen. Das liefert jedoch nicht immer eine zuverlässige Indikation und sagt nichts über die Wirksamkeit aus! Damit kontrollieren Sie lediglich, dass der Magnet keine Kraft verloren hat. Die Wirkung eines Magneten können Sie eigentlich nur mit Testteilchen testen. Da sich dies praktisch nur äußerst schwer realisieren lässt, bleibt eine Flussmessung die beste Option.“

  Gaussmeter  

HACCP spezifikationen

Guy fährt fort: „Das Problem ist, dass die Wirkung und Ausführung eines Magneten nicht in die HACCP-Spezifikationen aufgenommen sind. Sie beziehen sich ausschließlich auf die Flussdichte ('Gausswert'). Diese können korrekt sein, aber Funktion und Ausführung sind ebenfalls wichtige Kriterien. Wenn sich zum Beispiel keine Edelstahlrohre um den Magneten befinden, rosten sie und zwischen den Magneten kommt es zu Bakterienbildung. Die Funktion wird auch vom Abstand zwischen den Stäben beeinflusst. Diese werden häufig weiter auseinander platziert, um eine größere Kapazität zu erreichen. Hierdurch entsteht eine Lücke im Magnetfeld, wodurch die Eisenteilchen nicht aufgefangen werden können. Um dem entgegenzuwirken, setze ich mich dafür ein, dass die minimale Flussdichte in die HACCP-Spezifikationen aufgenommen wird. Der minimale Fluxwert bestimmt nämlich, ob es überhaupt möglich ist, ein Eisenteilchen aufzufangen. Bei den Messungen stellen wir auch oft fest, dass sehr große Magnetgitter eingebaut wurden. Dieses Format macht die Reinigung gefährlich und führt bei der Reinigung zu Quetschgefahr für die Maschinenführer. Schlussfolgerung: Nur den Gausswert zu spezifizieren, ist für Qualitätsstandards zu wenig.“

 

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UNTERSCHIED IN MAGNETWERT

„Außerdem hat sich in der Praxis gezeigt, dass die Messungen mit einem Gaussmeter nicht immer dieselben Werte anzeigen. Ungeachtet er Tatsache, dass diese Gaussmeter geeicht sind, können unterschiedliche Werte dabei herauskommen. Lassen Sie drei Personen dieselbe Messung durchführen und sie erhalten drei unterschiedliche Ergebnisse. Das führt bei Qualitätsmanagern zu großer Verwirrung und Verunsicherung. Ich habe in eigenen Beobachtungen festgestellt, dass es besser ist, nicht am Stab selbst zu messen, sondern in etwas Entfernung z. B. mit 5 mm Abstand. Hier ist die Flussdichte stabil.

Im Moment haben wir Hunderte Kunden in der Nahrungsmittelindustrie bei denen wir die Magnete messen. Unseren Kunden in der Nahrungsmittelindustrie ist es wichtig, dass erfahrene Mitarbeiter diese Messung einmal im Jahr für sie durchführen. Sie besitzen nämlich kein kalibriertes Gaussmeter und verfügen auch keine Erfahrung mit den Messungen. Wir übernehmen das gerne!“